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Zuletzt aktualisiert: 30. Mär, 02:40

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30
Mrz
2013

Es wird Zeit für einen neuen Eintrag!

Hallo, jetzt ist es doch schon wieder ein Monat her, dass ich hier etwas geschrieben habe! Das liegt einfach daran, dass ich nie Motivation, Zeit oder die nötige Ruhe gehabt habe. Hier ist eben auch Alltag eingekehrt und ihr wisst ja, wie schwierig das ist eine zusätzliche Tätigkeit neben dem Alltag her weiterzuführen.

Da ich euch aber nicht vorenthalten will, wie es mir so geht, poste ich hier einfach mal den 2. Zwischenbericht, den ich an meine Organisation verfasst habe. Ich hoffe, ich kann euch so einen guten Einblick geben!

Cotoca, 3. März 2013

Hallo ihr Lieben!

Kaum zu glauben! Es ist Halbzeit meines Freiwilligendienstes hier im Hogar Teresa de los Andes und wohl wieder (höchste Zeit) für einen Zwischenbericht von mir.

Was sind die neuesten Entwicklungen in meinem Leben hier in Bolivien und was hat sich verändert in den letzten drei Monaten? Eigentlich nicht viel, wenn man genauer darüber nachdenkt, aber vielleicht genau durch diesen Fakt hat sich das Gefühl bei mir eingestellt, dass ich angekommen bin und mehr oder weniger Alltag in meinem Leben eingekehrt ist. Das heißt geistig bin ich momentan einfach sehr weit von Deutschland entfernt, mag es an Freundschaften liegen, die sich hier neu aufgetan haben, oder auch an den alltäglichen Problemen, die eben auch zu einem Alltag gehören und die einen beschäftigt halten.

In meiner Arbeit im Hogar haben sich nur einige Kleinigkeiten verändert. Nach wie vor arbeite ich im hauptsächlich im Hospital des Hogars.
Leider hat sich die Belegschaft nochmal völlig verändert, das Personalmanagement im Hogar für mich komplett nicht nachvollziehbar so wie viele Entscheidungen der Heimleitung. Zum einem haben die beiden jungen Ärztinnen, die im Hospital arbeiteten, ihr Studium abgeschlossen und somit zum Ende des vergangenen Jahres das Hogar verlassen. Etwas, was ich persönlich sehr schade fand, da ich gut mit den beiden auskam und immer gute Gespräche mit ihnen führen konnte. Zu meiner Überraschung wurden die Stellen von den beiden nicht neu besetzt, sondern unbesetzt gelassen, sodass nun nur noch eine Ärztin vormittags im Hospital anwesend ist und das auch nur montags bis freitags. Über die
Expertise und auch vor allem über die Motivation der genannten Ärztin lässt sich meiner Meinung nach auch streiten.

Aber auch meine unmittelbaren Kolleginnen wurden in andere Abteilungen versetzt, eigentlich immer ohne oder wegen nichtiger Gründe. Das hatte zur Folge, dass ich mich wieder an neue Kollegen gewöhnen musste und ich als Freiwilliger (!) die neuen Arbeiterinnen einweisen musste. Aber weil die Arbeit im Hospital doch nicht so ganz leicht ist und man doch eine gewisse Übung und Erfahrung braucht, um sich adäquat um die Kinder zu kümmern (die wie im ersten Bericht berichtet teils sehr Behinderungen haben) resultierte der ständige Wechsel der Belegschaft darin, dass ein Kind mit Osteoporose einen Leistenbruch erlitt, wahrscheinlich ausgelöst durch die unsanfte Behandlung der neuen Arbeitskräfte. Das wäre meiner Meinung vermeidbar gewesen, wenn man seitens der Leitung ein bisschen weiter vorausschauen würde. Inzwischen verstehe ich mich mit meinen Kollegen aber ebenso gut, wie mit den vorherigen.


Für deutsche Verhältnisse ebenfalls nicht nachvollziehbar ist die Handhabung der Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter. Eigentlich wäre das Gehalt jede 15 Tage in Bargeld fällig, normalerweise verzögert sich die Zahlung jedoch immer um einige Tage, diesen Monat zehn Tage. Für die Mitarbeiterinnen, die Familien zu versorgen haben und keine Ersparnisse haben, eine mittlere Katastrophe. Angeblich hatte das Hogar selbst Geldnöte, jedoch zeigt meiner Meinung nach das Verhalten der Heimleitung nur allzu deutlich, dass die einfachen Arbeiterinnen einfach ganz unten in der Hierarchie stehen und auf deren Belange überhaupt nicht eingegangen wird. Aber natürlich lässt sich auch nicht der Fakt verleugnen, dass einfach hier sehr viel Geld fehlt.

Während ich bisher vormittags immer in der Phonoaudiologia geholfen habe, diese Arbeit aber nie als befriedigend empfunden habe, habe ich selbstständig zur Zahnärztin gewechselt und helfe ihr seit einigen Wochen. Eine Arbeit, die meiner Meinung nach sehr viel sinnvoller ist, da die Zahnärztin ohne eine Person, die Kinder festhält und fixiert, die mit einer Behandlung nicht einverstanden sind, völlig aufgeschmissen ist und diese Kinder eigentlich gar nicht behandeln kann. Sozusagen bin ich nun in die Rolle der Zahnarzthelferin geschlupft, zum Beispiel hole ich die Kinder von ihren Pabellones ab, reiche Instrumente, sauge den Speichel ab. Etwas, was mir eigentlich ziemlich zusagt, weil es bedeutend abwechslungsreicher ist als stundenlang Gesichter zu massieren, ohne einen Effekt zu sehen. Ansonsten habe ich meinen Tagesablauf aber nicht verändert.

Durch den Wechsel komme ich auf noch mehr Stunden als bisher. Normalerweise arbeite ich von sieben Uhr bis ein Uhr, mit einer halben Stunde Pause. Nach einer Stunde Mittagspause geht es dann weiter, von zwei Uhr bis sechs Uhr, wieder mit einer halben Stunde Pause. Vor allem auch durch die körperliche Arbeit also ein anstrengender Tag, aber ich arbeite gerne. Am Samstag arbeite ich weiterhin bis zum Mittag. Ich komme also auf weitaus mehr Stunden, die im Vertrag so genannt werden.

Da die Mitarbeiter aber mitbekommen haben, dass ich mich vor keiner Arbeit drücke und gerne auch noch mal ein bisschen länger helfe, wird das auch gerne ausgenützt. Verbunden mit der Heimleitung, die sich wirklich nicht gut um ihre Freiwillige kümmert, hat das bisweilen bei mir für Frustration gesorgt in den letzten Wochen. Es kam schon so weit, dass der Hausmeister, der am Sonntag im Hospital aushelfen sollte, also mein freier Tag im Hospital, am Morgen um sieben Uhr an der Tür geklopft hat und mit einer schlechten Arbeit mir meine Arbeit aufgedrückt hat.
Leider bin ich nicht gut im Nein sagen, sodass ich mich einmal überreden lassen habe. Ab und zu wird die, für meinen Geschmack eh viel zu kurze Mittagspause, unsanft unterbrochen.

Allgemein wissen die Leute hier nur allzu gut, wie man die netten Freiwilligen ausnützt. Dazu passt auch der Fakt, dass aus unserem Zimmer unsere beiden Kameras verschwunden sind, davor waren auch schon bisweilen Lebensmittel aus unserem Kühlschrank verschwunden sind, den wir leider nicht in einen abschließbaren Raum stellen können. Ich habe den Nachtwächter im Verdacht, der wohl die Chance genutzt hat, als wir nachts unterwegs waren und einmal unser Zimmer nicht abgesperrt hatten, und lange Finger gemacht hat. Komischerweise kann er sich seitdem auch haufenweise Zigaretten leisten, aber natürlich gibt es keinen Beweis dafür. Das sind Dinge, die das Wohlbefinden nicht gerade fördern.

Ein weiter Aspekt auf den ich unbedingt noch eingehen muss, ist unsere Beziehung zur Heimleitung, die eigentlich nicht existiert und, wenn wir doch einmal Kontakt haben sollten, grausig ist. Ein Problem, das uns beschäftigt, ist der Fakt, dass wir ständig von einem Zimmer im Hogar in ein anderes Zimmer umziehen müssen. Mit nunmehr vier Umzügen in sechs Monaten sorgt das für Unmut. Vor allem, dass sich natürlich keiner dazu berufen gefühlt hat uns beim Möbelschleppen in der prallen Sonne zu helfen. Momentan „hausen“ wir zusammen in einem Zimmer in der ehemaligen Bäckerei des Hogars, das leider eine undichte Decke hat und nachts hört man leider verdächtige Krabbelgeräusche, was ich einfach nicht ganz in Ordnung finde, wenn man bedenkt, dass ich hart arbeite, viel Zeit opfere und mir wirklich Mühe gebe.

Ein anderes Problem ist der Fakt, dass der Hermano darauf besteht, dass wir um zehn Uhr abends immer wieder im Hogar zurück sind, mit der Begründung, dass er für uns verantwortlich ist. Abgesehen davon, dass ich noch nicht viel von seiner Verantwortung gegenüber uns gemerkt habe, reichen vier Stunden Freizeit pro Tag einfach nicht aus. Beispielsweise haben wir einmal pro Woche schon immer Spanischkurs bis zehn Uhr in Santa Cruz, was es uns unmöglich macht pünktlich zu kommen. Es kam vor, dass wir nur eine halbe Stunde zu spät kamen, und der Nachtwächter uns nicht mehr in das Hogar lassen wollte und uns eine halbe Stunde draußen warten ließ. Da alle Dialogversuche gescheitert sind, steigen wir nun immer an einer abgelegenen Stelle über die Mauer, sollten wir mal ausgehen und später zurückkommen. Natürlich keine gute Lösung, aber es scheint einfach aussichtslos einen Kompromiss mit dem Hermano zu finden. Das merkt man schon allein an dem Fakt, dass er nicht einmal meinem Namen weiß nach einem halben Jahr, geschweige denn zurückgrüßt, sollte man ihn einmal auf dem Gelände sehen.
Eine ziemlich verkorkste Situation also. Allerdings habe ich mich damit abgefunden und lasse nun alles an mir abprallen.

Puh, nachdem ich mir das bisher geschriebene durchlese, klingt das ganz negativ und unzufrieden.  Das ist natürlich nicht der Fall, es gefällt mir hier nach wie vor gut. Jeden Tag gibt es schöne Erlebnisse mit den Kindern und die gute Beziehung zu meinen Kollegen und Leidensgenossen (fast keiner versteht sich gut mit der Heimleitung) hat mir schon oft geholfen Frust abzulassen. Viel Spaß macht mir auch meine „neue“ Arbeit mit der Zahnärztin, mit der man auch gute Gespräche führen kann.

In naher Zukunft habe ich vor einige Dinge in meiner Arbeitsumgebung zu verändern, vor allem, weil ich eine kleine Geldsumme geerbt habe und ich sowieso nicht weiß, was ich mit dem Geld anfangen soll, sodass ich lieber etwas Sinnvolles hier anschaffe damit. Zwar erfüllt man sicherlich damit eine gewisse Erwartungshaltung, die aber sowieso schon an die Freiwilligen besteht, sodass es keinen Unterschied mehr macht.

Ein schöner Ausgleich zu dem Frust, der im Hogar manchmal entsteht, sind die Freunde, die ich mir in Santa Cruz erworben habe. Zum Glück alle Bolivianer, sodass ich auch mein Spanisch beträchtlich verbessern konnte und ich halbwegs zufrieden damit inzwischen bin, wenngleich auch noch viel fehlt.

Natürlich auch der Urlaub, den ich über Weihnachten und Silvester bei der Familie eines Freundes in Ecuador verbracht habe sowie das Zwischenseminar in Sucre, das eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag war.

Glücklicherweise habe ich auch gesundheitlich keine Probleme, außer einem Pilz an meinem Finger, der sich über Monate Stück für Stück immer weiter ausbreitet, was jedoch ein kleineres Übel ist.

Fazit ist also, dass es durchaus einige Dinge gibt, die mich hier stören. Fakt ist aber auch, dass ich zum Glück nicht viel mit der Heimleitung und so weiter zu tun habe, sodass die Arbeit an sich mich immer noch mit Befriedigung erfüllt, weil ich einfach sehe, dass ich nützlich bin und auch gebraucht werde. Ausgleich zu dem wenigen Ärger gibt es also genügend, sodass die Zeit für mich wie im Flug verfliegt.

Ich hoffe, ich konnte einen Einblick geben, wie es mir geht. Bei der Gelegenheit möchte ich noch einmal auf meinem Blog hinweisen, wo man vielleicht noch ein bisschen mehr erfahren kann und wo ich mehr oder weniger regelmäßig berichte (www.johanneskraus.twoday.net) und sende euch herzliche Grüße aus der Panadería des Hogar Teresa de los Andes in Cotoca!

Johannes

24
Feb
2013

Angekommen?

Hallo ihr Lieben!

Da ich gerade zwei Stunden Zeit habe, da ich auf jemanden in Santa Cruz warte (jaja, die Puentklichkeit der Bolivianner), dachte ich mir, ich nuetze mal wieder die Gelegenheit, mich bei euch allen zu melden.

Ja, wie ist meine momentane Situation? Gut, wuerde ich sagen. Deswegen habe ich fuer diesen Eintrag auch den Titel "Angekommen" gewaehlt. Das Fragezeichen, weil man sich hier als Weisser, als Choco, als Gringo sich wahrscheinlich nie komplett angleichen kann. Geistig (naja, natuerlich auch koerperlich) bin ich momentan sehr weit weg von Deutschland, deswegen hoffe ich auch, dass ihr mir verzeihen koennt, dass ich mich bei einigen von euch schon lange nicht mehr gemeldet habe. Das liegt vor allem daran, dass ich hier Freunde gefunden habe, mit denen ich regelmaessig unterwegs bin, und mehr oder weniger Alltag eingekehrt ist. Der Alltag bewegt sich zwischen abendlichen Unternehmungen, viel Arbeit und der daraus resultierende konstante Schlafmangel. Dinge, die in den ersten Monaten noch abendteuerlich erschienen, zum Beispiel der Kampf mit oeffentlichen Verkehrsmitteln, dahin zu kommen, wo man will, sind zur Normalitaet geworden. Die Strassen von Santa Cruz, die anfangs noch unuebersichtlich und chaotisch erschienen, sind nun nicht mehr ganz so chaotisch und man verliert auch nicht mehr komplett die Orientierung, wenn man sich durch die Stadt bewegt.

Natuerlich ist auch hier nicht alles gut und es gibt Sachen, die einen das Leben schwer machen. Eine Sache waere da zum Beispiel ein Pilz an meiner Hand, der nun fast schon einen Finger bedeckt und trotz saemtlicher Raffiniessen nicht zu verscheuchen ist.
Zu schaffen gemacht hat mir auch ein neuerlicher Umzug innerhalb des Hogars in ein anderes Zimmer. Nicht nur, dass der Umzug mit viel Arbeit verbunden war (Moebel schleppen bei mindestens 30 Grad), sondern auch, dass unseres neues Zimmer nicht besonders tauglich ist mit einer undichten Decke. Doch nachdem man nach einer Woche endlich den Boden vom Zimmer wieder sehen konnte und alle Sachen wieder halbwegs ordentlich verstaut sind, ist der Wohlfuehlcharakter doch um Einiges gestiegen.
Aergerlich ist wohl auch, dass mein Laptop momentan nicht mehr funktionstuechtig ist, ich denke, der viele Staub hier in der Luft hat ihm einfach der Rest gegeben. Wenn nicht das, dann ein Virus von einem der zahlreichen USB-Sticks der Arbeiterinnen des Hogars, die einen immer bitten, Musik zu verschieben. Wie man sich vorstellen kann, ist es gar nicht so einfach, einen vertrauenswuerdigen Computerladen in Bolivien zu finden. Noch aergerlicher natuerlich, dass bald schon wieder ein Zwischenbericht an meine "Schwestern" in Deutschland ansteht und ohne Laptop verkompliziert das die Lage natuerlich erheblich. Nun, das sind natuerlich Alltagsprobleme, aber ich denke, das kann man alles loesen :)

Zu erwaehnen waere auch noch Carnaval, der hier in Santa Cruz wie eine Bombe einschlug. Fuenf Tage am Stueck konnte man nicht auf die Strasse gehen, ohne mit Farbe ueberschuettet zu werden oder von Wasserbomben bombadiert zu werden. Die Farbe, die benuetzt wird, ist uebrigens Tinte, die (aus eigener Erfahrung) nicht aus Kleidung, noch vom Koerper noch aus den Haaren zu entfernen ist. Als Weisser ist man natuerlich noch einmal mehr ein Ziel, sodass die beiden Voluntarios des Hogars fuer eine Woche lang, farbenfroh schillernd, fuer Erheiterung gesorgt haben. In schwarzen Haaren, wie es etwa 98% der Bolivianer haben, sieht man die Farben naemlich nicht so gut, wie in blonden Haar.

Nun, ich hoffe, ich konnte euch einen Ueberblick geben, was hier so geschieht und was ich so mache. Natuerlich gibt es noch viel mehr zu erzaehlen, dafuer reicht aber jetzt die Zeit einfach nicht mehr. Bis zum naechsten Mal und liebe Gruesse,

Johannes

25
Jan
2013

Das Zwischenseminar..

Mit gut einer Woche Verspätung melde ich jetzt wieder aus dem schönen Cotoca :)
Der Grund dafür, dass das solange gedauert hat ist einfach und blöd: Ich war relativ krank und bin drei Tage mehr oder weniger im Bett gelegen, von aller Welt verlassen. Das hat auch meine Stimmung ein wenig heruntergezogen, es nicht schön krank zu sein und das auch noch weit von daheim. Aber inzwischen geht es mir fast wieder blendend und mit dem Zustand meiner Gesundheit hat sich auch meine Laune wieder gehoben.

Aber ja, wie war das Zwischenseminar? Zuerst einmal war die Anreise weitaus komplizierter als ich gedacht habe, denn überraschenderweise sind schon alle Busse nach Sucre abgefahren vom Busterminal in Santa Cruz, als ich dort um halb sieben ankam. Mit einem Anflug von Panik bemerkte ich, dass die nächsten Flotas wohl erst am nächsten Tag am Nachmittag fahren. Allerdings sollte ich um diese Zeit schon in Sucre sein, ein Ding der Ummöglichkeit, wenn man die 15 Stunden Fahrt noch mit einbezieht. Nachdem ich einige Anbieter gefragt hatte, wie ich wohl am besten und am schnellsten jetzt noch nach Sucre komme, hörte ich einige Male die Antwort, dass ich es doch mal über Cochabamba versuchen sollte. Gesagt, getan. Am frühen Morgen kam ich dann in Cochabamba an, meinem Ziel auch nicht wesentlich näher. Ernüchtert stellte ich fest, dass es auch von dort erst einen Bus am Nachmittag geben würde. Nach Erkundigungen fand ich dann heraus, dass es Sammeltaxis, also Taxis, die man mit anderen teilt und längere Strecken fahren, nach Oruro gab und von dort könnte man angeblich über Potosí nach Sucre mit zwei weiteren Sammeltaxis gelangen. Nun, ich hatte keine andere Wahl, wenn ich nicht sehr viel zu spät kommen wollte. Die Zusammenfassung meiner Odyssee: Statt 500 Kilometer bin ich dann mehr als 1000 Kilometer gefahren, mit dem Resultat, dass ich etwa drei Stunden zu spät kam, was allerdings nicht weiter schlimm war.

Das Seminar selbst war sehr interessant, vor allem, weil man interessante Menschen kennenlernen konnte und sich über seine Projekte austauschen konnte. Auch natürlich über die Probleme, die man hat oder hatte, und ebenso generell die Erfahrungen, die alle so gemacht hatten. Ich konnte einige neue Kontakte schließen und alte wieder auffrischen (alle Freiwilligen von meiner Organisation in Bolivien waren ja auch da, die kannte ich ja alle schon). Unter anderem haben wir zwei Jungs kennengelernt, die in Departmento Beni ebenfalls mit behinderten Kindern arbeiten, mit denen wir uns gut verstanden. Die Gesprächsthemen ging nie aus, die Kinder bieten einfach genügend Stoff um ein Buch zu füllen.
Der Spaß kam auch nicht zu kurz: In jeder freien Pause wurde Games, ein süchtigmachendes Kartenspiel, gespielt, teilweise bis tief in die Nacht :) Highlight war dann noch ein Tagesausflug an einen abgelegenen Wasserfall, wo man baden konnte, sowie ein Besuch einer Karaokebar in Sucre, was auch sehr erheitert war. War also eine schöne Woche und hat mir auch einige Impulse gegeben, das was mich im Hogar stört, ein bisschen zu ändern. Oder wenigstens das mal anzusprechen.

Weniger schön war dann wieder die Rückreise, diesmal wenigstens mit einer Flota direkt von Sucre nach Santa Cruz. Allerdings war die Straße ungeteert und ungesichtert, was doch manchmal ein mulmiges Gefühl bei mir erzeugte. Denn es ging doch bisweilen beträchtlich nach unten neben der Straße. Wenigstens lernte ich noch zwei Bolivianer auf der Reise kennen, sodass diese Reise doch dann vergleichsweise kurzweilig war.
Gleich nach meiner Ankunft traf mich dann die Krankheit und den Rest der Geschichte kennt ihr ja schon :)

9
Jan
2013

Zurück aus Ecuador, ein kleiner Reisebericht:

Hiermit melde ich mich zurück aus Ecuador, wo ich gut zwei Wochen verbracht habe und viel gesehen habe. Gestern gegen Mittag bin ich nach einer langen Reise wieder daheim, in Cotoca, angekommen. Doch eins nach dem anderen:

Obwohl ich mir doch noch ein bisschen unsicher war, wie Hin- und Rückreise klappen würde, ging alles gut. In Santa Cruz fand ich am Terminal gleich ein Busunternehmen, das mich über La Paz nach Juliaca gebracht hat, mit einem Buswechsel und einen sehr kurzen Aufenthalt in La Paz. In Juliaca bin ich dann am Abend nach gut 24 Stunden Fahrt angekommen und hab dort in einem Hostel in der Nähe des Busterminals übernachtet, da mein Flug nach Quito, über Lima und Guayaguil, erst am nächsten Tag um acht Uhr abend ging. Deswegen nützte ich den nächsten Tag. um Juliaca anzuschauen, eine Stadt mit ungefähr 300.000 Einwohnern in Andenhochland in Peru, in der Nähe des Titicacasees. Leider musste ich feststellen, dass es da wahrlich nicht viel zu sehen gab, außer einen Christo auf einem Hügel der Stadt, von der man einen recht guten Ausblick hatte. Nachdem ich das Wenige, was es zu sehen gab, gesehen hatte, machte ich mich auf zum Flughafen und wartete. Und wartete. Ingesamt acht Stunden, mein Zeitplan war eben doch recht großzügig gerechnet gewesen. Unglücklicherweise war der Flughafen von Juliaca genauso wie Juliaca selbst, nämlich sehr ereignislos, ingesamt fliegen pro Tag maximal fünf Flieger vielleicht den Flughafen an. Dementsprechend langweilig war es dort auch.
Erleichtert kam ich dann in Lima am späten Abend an und übernachtete am Gate, da mein Flieger nach Guayaguil erst um fünf Uhr morgens abgeflogen ist. Relativ gerädert kam ich dann am Mittag in Guayaguil an, wo ich abermals ein kurzen Aufenthalt von zwei Stunden etwa hatte. Danach gings endlich nach Quito, wo ich dann von Sebastian am Flughafen empfangen wurde.

In den zwei Wochen in Ecuador habe ich viel gesehen und erlebt. Ein kurze Aufzählung, was ich denn alles gesehen habe:
  • In Quito, das eine schöne historische Altstadt hat, außerdem einen tollen botanischen Garten mit vielen fremdartigen Blumen und Pflanzen und ein Vivarium mit einer Auswahl von bösen, giftigen Schlangen. In der Capilla del Hombre haben wir außerdem noch Bilder von Guayasamin besichtigt, dem berühmtesten Maler Ecuadors, die mir persönlich sehr gut gefallen haben.
  • Über Quito! Mit einer Seilbahn kann auf einen Berg fahren, von dem man eine schöne Aussicht über Quito hat, das sich mit mehr als beachtliche 30 Kilometer Länge in ein Tal von drei bis vier Kilometer drückt.
  • In der Mitad del Mundo: Der Ort, wo der Äquator zum ersten Mal rechnerisch nachgewiesen wurde. Dementsprechend befindet sich dort ein recht großes Monument.
  • In Los Baños, das zum einem als Wallfahrtsort (ähnlich wie Lourdes, nur kleiner) und zum anderen für sein Erlebnistourismus bekannt ist. Dementsprechend stürzte ich mich in einem lebensmüden Moment von einer Brücke von vielleicht 15 Metern (mit Seil versteht sich) und diversen Wasserfällen, ebenfalls von beachtlicher Höhe.
  • Bei dem beeindruckenden Wasserfall Pailon del Diablo, zu übersetzen etwa mit Hexenkessel. Und das ist er auch wirklich, ein gewaltige Menge von Wasser fällt von vielleicht zwanzig, dreißig Metern in einen relativ kleinen Kessel, der durch Felsen begrenzt ist. Gnade dem, der da hineinfällt. Das Besondere: Man kann so weit in den Kessel steigen, bis man direkt hinter dem Wasserfall steht.
  • In Mindo, wo man beispielsweise mit alten Autoreifen einen Gebirgsbach hinunterfahren kann, oder im Tarzanstyle an einem Stahlseil von einer Talhälfte zur anderen fahren kann, nur mit einem Geschirr befestigt und frei schwebend,
  • In Otavalo, das vor allem durch einen schönen Markt besticht, wo man (aus eigener Erfahrung) recht viel Geld ausgeben kann und viele Mitbringsel findet.
  • In Puyo, eine Stadt in den Ausläufer des ecuadorianischen Dschungel. In einer Art Zoo kann man dort die verschiedensten Tiere und Pflanzen bestauen, sehr beeindruckend. Nicht umsonst ist Ecuador das Land mit der größten Biodiversität der Welt.
  • In Ibarra, wo ich Silvester mit den Ulloas verbracht habe. Ibarra hat eine recht schöne Altstadt und ist eher klein und gemütlich.
Bestimmt habe ich vergessen, etwas zu erwähnen, denn ich habe viel gesehen, vor allem durch die nette Betreuung der Familie von Sebastian, die mich herzlich in ihr Haus aufgenommen hatten. Dort hatte es sogar warmes Wasser und allerhand andere Dinge, die es hier in Cotoca nicht gibt, sodass ich mich wirklich wie im Urlaub gefühlt habe :)

Die Rückreise war ebenfalls sehr anstrengend, doch wenigstens hatte ich noch 17 Stunden Aufenthalt in Lima, sodass ich mir diese hübsche und sehr große Stadt auch noch oberflächlich anschauen konnte. Der Plan war eigentlich, dass ich dann am Gate des Flughafens übernachte, weil mein Flug nach Juliaca erst am Morgen um fünf Uhr losflog. Leider lies das Flughafenpersonal erst nach zwei Uhr in den Boardingbereich, sodass ich noch sechs Stunden ungefähr in der Umgebung der Check-In-Schalter gammeln musste, was weniger erfreulich war. Von Juliaca aus war ebenfalls alles ein bisschen komplizierter als gedacht, denn auch irgendeinen Grund gab es keinen Bus in die Richtung von La Paz, sodass ich die Strecke in drei Sammeltaxis gestaffelt zulegen musste, was aber auch recht interessant war. Am Grenzübergang von Peru nach Bolivien wurden mir dann noch eine zweifelhafte Strafgebühr von 50 Bolivianos abgenommen, aber so ist das Leben als Gringo wohl in Südamerika. Mehr oder weniger zufällig hab ich dann in La Paz noch Matthias getroffen, der ebenfalls gerade am Reisen ist, allerdings durch Bolivien. Die Fahrt von La Paz nach Santa Cruz war unspektakulär und erschöpfend, ich sehnte mich nach einer Dusche nach zwei Tagen Reisen am Stück, aber ich bin gut angekommen.

Daheim angekommen bin ich von der gwöhnten schwülen Hitze begrüßt worden, und von einer Kröte, die in unserer Dusche saß. Es tat gut zu sehen, dass das Hospital sich gefreut hat, dass ich wieder da bin und so starte ich wieder motivierter als vor meinem Urlaub in die Arbeit. Jedoch nur für kurze Zeit: Die nächste Reise steht schon von der Tür. Wegen eines Zwischenseminars von Weltwärts muss ich von 12 bis 18 Januar nach Sucre. Ich bin gespannt, was die anderer Freiwilligen von den anderen Einsatzstellen der SMMP in Bolivien zu berichten wissen, jedoch werde ich davon dann demnächst noch mal gesondert berichten.

Viele Grüße, ich hoffe ihr hattet alle einen guten Rutsch.

15
Dez
2012

Urlaub und was sich sonst noch tut!

Doch schon fast wieder ein Monat her, dass ich hier zuletzt etwas geschrieben habe! Wird Zeit für mehr, falls es euch denn noch interessiert und ihr mich noch nicht alle vergessen habt :)

In den letzten paar Wochen hatten wir (oder ich) ein paar herbe Schläge zu verkraften: Gleich zwei elektronische Geräte haben völlig bzw. teilweise ihren Lebenswillen bzw. auch ihr Leben verloren.
Zum einen konnte unsere Waschmaschine die ganze dreckige und die von den Kindern vollgesaberten Wäsche von mir nicht mehr ertragen, sodass sie kurzerhand beschloss, sich über Nacht wortwörtlich in Schall und vor allem Rauch aufzulösen. Übrig blieb ein vom Schwelbrand entstellter schwarzer Klotz. Ebenso verlor kurzfristig auch der Kühlschrank durch das Ableben seines Nachbarns, der Waschmaschine, seinen Willen weiter zu leben. Den Kühlschrank konnten wir allerdings wieder durch ein neu angebrachtes Kabel mit Stecker wiederbeleben, welches durch den Brand zuvor praktisch nicht mehr verhanden war davor. Ursache für den Schwelbrand war vermutlich ein defektes Verlängerungskabel, welches hinter der Waschmaschinie verlegt war und dessen Reste noch teilweise auf unserem Boden kleben. Ab nun heißt es also von Hand zu waschen, was eigentlich gar nicht so schlimm ist. Eine neue Waschmaschinie ist wohl vorerst nicht in Sicht, einfach aus dem Grund, dass eine Waschmaschinie ein Luxusgut hier ist.
Defekt ist leider zum anderen die Shifttaste(n) meines Laptops, das heißt, ich habe momentan keine Möglichkeit mehr Großbuchstaben zu schreiben (dieser Text wird gerade mühsam mit der Bildschirmtastatur geschrieben). Ich denke, dieses Problem werde ich einfach mit dem Kauf einer neuen externen Tastatur beheben. Ärgerlich, an manchen Tagen gewinnt man eben, und an manchen verliert man eben.

Nun, jetzt allerdings zu den angenehmeren Dinge des Lebens: Ich werde nämlich nächste Woche erst einmal die Gelegenheit nützen meinen Urlaub zu auszunützen. Da wir einen Gastschüler für ein Jahr aus Ecuador in unserer Familie hatten und er mich über Weihnachten und Silvester zu seiner Familie und sich eingeladen hat, hab ich das Angebot dankbar angenommen und werde ab nächster Woche gut zwei Wochen in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, zubringen.. Dabei hoffe ich natürlich, dass ich sonst noch eine Menge von Ecuador kennenlernen werde.
Leider ist die Anreise komplizierter als gedacht. Direktflüge von Bolivien nach Ecuador kosten mehr als 1000 Dollar und waren daher keine Option. Eine ausschließliche Busreise dauert einfach mindestens 72 Stunden, was sich bei zwei Wochen Urlaub nicht rentiert. Daher werde ich jetzt versuchen zuerst mit dem Bus nach Juliaca in Peru zu gelangen, von deren Flughafen ich über drei Stopps nach Quito fliegen werde und was beträchtlich billiger ist. Leider bin ich mir noch nicht sicher, wie ich nach Juliaca gelangen werde und wie lange das dauert wird. Selbst der Flug wird noch einen Tag dauern, aber wenigstens hat der Rückflug fast 17 Stunden Aufenthalt in Lima, der Hauptstadt von Peru, sodass ich wenigstens gleich noch etwas von Peru kennenlerne :) Ich bin schon sehr gespannt auf jeden Fall und auch, muss ich zugeben, ein wenig aufgeregt, weil alleine zu reisen in Südamerika ist doch nochmal ein anderes Kaliber als in Europa.

Was gibt es sonst noch? Bis auf die oben erwähnten kleinen Pannen ist soweit alles überwiegend positiv, ich denke, man kann sagen, ich bin nun endgültig angekommen. In den letzten Wochen hab ich auch Leute kennengelernt (also außerhalb des alltäglichen Umfeldes) mit denen ich doch recht gerne unterwegs bin und hoffe, dass sich daraus gute Freundschaften entwickeln. Auf jeden Fall wird mein Handy immer voller mit neuen Nummern und so weiter und ich bin guter Hoffnung. Auch mein Spanisch hat sich nochmal spürbar verbessert, denke ich, auch wenn natürlich noch viele Lücken verhanden sind.

Ich kann nur sagen, dass die Zeit hier sehr schnell vergeht und ich sie auch genieße momentan. Hiermit alle gute Wünsche nach Deutschland und im voraus schon einmal frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2013!

26
Nov
2012

Zwischenbericht..

Da es von Weltwärts vorgeschrieben ist, innerhalb von drei Monaten einen Bericht zu schreiben und an die Organisation in Deutschland zu schicken, und ich jetzt wohl schon drei Monate in Bolivien bin, hatte ich das Vergnügen ebensfalls einen Bericht zu schreiben. Den will ich euch natürlich nicht vorenthalten, vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen:

Downloadlink, hier!

15
Nov
2012

Die Arbeit...

Es wird mal wieder Zeit, sich zu melden.. Bisher fehlte mir immer die Energie, mich nach der Arbeit noch aufzuraffen und etwas zu schreiben, ingesamt sind die Tage sehr lang immer..

Wie angekündigt, will ich in diesem Eintrag mehr über meine Arbeit erzählen. Zuerst einmal: Das Hogar ist völlig verschieden zu einem Behindertenheim oder eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen in Deutschland, hier gelten sehr andere Standarts. Ich sage bewusst andere Standarts und nicht schlechtere, denn auch hier gibt sich das Personal auf seine Weise Mühe, den Kindern das Leben lebenswert zu gestalten.

Doch es gibt einige Sachen, wo man erst mal schlucken muss. Es fängt beim Baden am Morgen an. In Akkordarbeit werden die Kinder in jedem Pabellón ausgezogen, geschrubbt, gewindelt und wieder angezogen. Dabei werden alle Kinder, bei mir zehn bis elf, mit sage und schreibe einem Waschlappen gewaschen, was hygienisch gesehen ein Totalversagen ist. Dementsprechend haben auch so ziemlich alle Kinder im Hospital unter Fuß- und Fingernägeln Pilzbefall. Die Wasserwärme beim Baden kann nicht vorgeregelt werden, es gibt ein Warmwasserschlauch und ein Kaltwasserschlauch, was auch schon darin resultierte, dass Kinder sich richtig verbrannt haben aufgrund des zu heißen Wassers. Zum Glück habe ich das noch nicht erlebt. Erlebt habe ich jedoch schon öfters, dass es überhaupt kein Warmwasser gab, sodass man warten musste, bis der Hausmeister eine neue Gasflasche angeschlossen hat oder an anderen Sachen rumgeschraubt hat. Die Kinder mit eiskalten Wasser zu baden geht natürlich nicht, da sie oft ein angeschlagenes Immunsystem haben.

Die Kleidung der Kinder und auch die Bettwäsche ist auch so eine Sache. Das Hogar besitzt sogar Waschmaschinen, leider laufen die nur mit Kaltwasser. Sodass die Wäsche zwar frisch wird, aber leider nicht sauber. So wirklich fleckenfreie Bettwäsche oder ähnliches gibt also nicht. Beim Essengeben ist mir aufgefallen, dass einige Mitarbeiter nicht so wirklich darauf achten, ob das Essen noch zu warm ist oder nicht, sondern es den Kindern mehr oder weniger lieblos reingeschaufelt wird, die natürlich nicht in der Lage sind, sich zu wehren.. Aber das ist die Ausnahme.

Auch normale Papierwindeln, wie sie in Deutschland selbstverständlich sind, gibt es hier nicht. Die Kinder werden mit improvisierten Windeln aus alten T-Shirts gewickelt, was nicht immer so hundertprozentig dicht ist und manchmal in einer ganz schönen Sauerei endet.

Ingesamt wundere ich mich nicht mehr sehr, wenn ich beim Hochheben der Kinder in etwas Nasses reinlange.. Handschuhe benutzt man hier nur in seltenen Fällen, der Kontakt mit Körperflüssigkeiten ist so ziemlich unvermeidbar. Das Nebenprodukt davon ist leider auch, dass meine Haut sehr anfällig ist.. Zum Glück bin ich bisher vor größeren Ausschlägen verschont geblieben, der Verdacht auf Krätze scheint sich (bis jetzt) noch nicht zu bewahrheiten und sämtlichen Ausschlag hab ich auch wieder losbekommen.

Nun, wie gesagt, in Deutschland unvorstellbar, hier Alltag, aber man gewöhnt sich eben auch daran. Leider muss ich sagen, dass die Arbeit an sich nicht besonders spannend ist. Auch, weil meine Kinder nicht viel machen können. Glücklicherweise verstehe ich mich gut mit meinen Kolleginnen und kleine Spaßschlägereien und Wasserschlachten während der Arbeit gestalten den Arbeitstag dann doch ein bisschen unterhaltsamer.

Soviel mal von mir, beste Grüße nach Deutschland von mir.

23
Okt
2012

Lebenszeichen..

Ja, ich bin nun fast nun zwei Monate in Bolivien und ich dachte, es ist mal wieder an der Zeit sich zu melden. Was kann ich sagen? Auf jeden Fall geht es mir hier recht gut, auch wenn man ab und zu eine schön warme Dusche vermisst, ein Klo, das nicht verstopft, und Internet, mit dem man Youtubevideos ohne Ruckler anschauen kann. Aber darauf kann man gut verzichten, so geht es mir zumindest.

Mein Spanisch ist inzwischen so "gut", dass ich meistens verstehe, was die Leute im Wesentlichen zu mir sagen, dennoch werde ich demnächst im Goetheinstitut in Santa Cruz einen Spanischkurs auf Deutsch starten. Die Sprache ist, zugegebenermaßen, doch manchmal recht frustrierend, auch wenn ich deutliche Fortschritte erkennen kann.

Das Unterrichten geht mir doch recht gut von der Hand, ironischerweise himmeln mich meine Schüler (naja, eigentlich nur die Schülerinnen) teilweise richtig an, da ein Deutscher mit blauen Augen und blonden Haaren wohl sowas wie ein Star ist. Auf jeden Fall konnte ich meinen Schülern schon ein paar Sachen vermitteln und wenn man die Maßstäbe nicht zu hoch setzt, werte ich meine Karriere als "Lehrer" bisher durchaus als Erfolg ;) Überraschenderweise steigt dadurch mein Bekanntheitsgrad in Cotoca rapide an, beispielsweise wurde ich schon von Unbekannten im Taxi angesprochen, ob ich denn Deutsch am Colegio unterrichte. Auch berichten meine Schüler regelmäßig, wo sie mich gesehen haben.. An der Taxihaltestelle, am Plaza, in Santa Cruz in Los Pozos. Ein sehr seltsames Gefühl auf jeden Fall und fast schon ein bisschen zu viel Aufmerksamkeit für meinen Geschmack! :)

In unserer Freizeit langweilen wir uns bis jetzt nicht und wir konnten auf jeden Fall schon einige Bekanntschaften schließen und auch Tagesausflüge unternehmen. Ein Highlight war bisher ein Ausflug in die Lomas de Arena, wo man plötzlich, nur zehn Kilometer entfernt von Santa Cruz, Saharafeeling bekommt. Auch sehr schön war ein Ausflug in das Biocentre Güembe, dort konnte man die verschiedensten Tiere bestaunen, beispielsweise Schmetterlinge, Affen, Papageien, Riesenschildkröten und und und.. Außerdem gabs noch integriert ein Schwimmbad, wo ich mir meinen ersten heftigen Sonnenbrand holte.

Ansonsten gehen wir einmal die Woche Volleyballs spielen mit Kollegen, treiben uns auf Geburtstagen herum oder suchen Sachen in den unendlichen Weiten der Ladenlandschaft in Santa Cruz. Außerdem wird uns schon nicht langweilig, weil wir sechs Tage die Woche arbeiten und dadurch die Tage sehr gefüllt sind.

Nun.. Apropos Arbeit, davon habe ich noch gar nicht weiteres erzählt. Allerdings werde ich das dann im nächsten Eintrag machen, denke ich, sonst wird das hier alles zu lang. :)

Schöne Grüße nach Deutschland (mit virtueller Postkarte von den Lomas de Arena :D).
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Johannes in Bolivien

Über mich:

Meine Name ist Johannes. Ich lebe in der Nähe von Ulm und habe das zarte Alter von 20 Jahren. ;) Ab August werde ich für ein Jahr in dem Behindertenheim "Hogar Teresa de los Andes" in der Nähe von Santa Cruz, Bolivien, arbeiten. In diesem Blog werde ich darüber berichten.

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